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John Cage

* 1912 in Los Angeles; † 1992 in New York

Komposition

John Cage lernte früh Klavier und wollte zeitweilig Priester oder Schriftsteller werden. 1930 reiste er nach Europa, studierte dort Architektur, interessierte sich für Malerei und die Musik Bachs. Er versuchte sich an ersten eigenen Kompositionen und begann 1931 in Kalifornien bei Richard Buhlig ein Kompositionsstudium, das er 1933 in New York bei Adolph Weiss und Henry Cowell fortsetzte. Von 1935 bis 1937 war er Schüler von Arnold Schönberg in Los Angeles und komponierte u. a. mit fünfundzwanzigtönigen Reihen (Compositions for three voices). 1937 wurde Cage Begleiter einer Tanzklasse in Seattle, gründete ein Schlagzeugensemble, nutzte erstmals präparierte Klaviere und schrieb vorwiegend Perkussionsmusik. Von 1941 an unterrichtete er neue Musik am Chicago Institute of Design und suchte nach Möglichkeiten, Klänge live elektronisch zu erzeugen. Ab 1942 lebte er in New York, wohnte bei Max Ernst und Peggy Guggenheim, arbeitete mit Merce Cunningham und begleitete dessen Dance Company auf Reisen. 1949 erhielt er Preise der National Academy of Arts and Letters und der Guggenheim Foundation und finanzierte sich damit eine Europareise. Er studierte indische Musik bei Gita Sarabhai und Zen bei Daisetz Teitaro Suzuki. Regelmäßig arbeitete er mit Morton Feldman, dem Pianisten David Tudor und dem Komponisten Christian Wolff zusammen. Das altchinesische I Ging (Buch der Wandlungen) begann er als Orakel für musikalische Zufallsentscheidungen zu benutzen-beispielsweise entstand aus ca. 600 Tonbändern das Stück Williams Mix (1952). John Cage, Morton Feldman, Christian Wolff und Earle Brown – die New York School, parallel zum abstrakten Expressionismus in der bildenden Kunst – versuchten, die Musik von individueller Prägung zu befreien: Nicht die Welt sollte nach eigenen Vorstellungen geformt werden, sondern umgekehrt. John Cage gehörte zu denen, die den «Fluxus»-Begriff prägten, und war 1952 u. a. mit Robert Rauschenberg, Merce Cunningham und David Tudor an einem ersten Happening mit simultanem Einsatz von Filmen, Dias, Musik, Tanz und Lesungen beteiligt. 1954 trat er bei den Donaueschinger Musiktagen und 1958 bei den Darmstädter Ferienkursen auf. Er kalligrafierte zahlreiche Mesostics, schrieb und sprach Texte (Writings through Finnegans Wake, 1978), auch für Radio und Fernsehen, hielt Vorträge (Lecture on Nothing, ca. 1950), nahm Zufallsbearbeitungen vor, verwendete Samples und erstellte Opernzeitraffer (Europeras, 1985–1991).

johncage.org