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Jonathan Harvey

* 1939 in Sutton Coldfield (England); † 2012 in Lewes (England)

Komposition

Jonathan Harvey studierte vorerst am St John’s College Cambridge Philosophie und nahm daneben Unterricht bei Erwin Stein und Hans Keller. Während seines Doktoratsstudiums an der Glasgow University arbeitete er als Violoncellist im BBC Scottish Symphony Orchestra und begann – nach ersten Einflüssen von Arnold Schönberg, Alban Berg, Olivier Messiaen und Benjamin Britten –, sich für die Musik von Karlheinz Stockhausen zu interessieren, über den er 1975 ein Buch herausbrachte. 1969 ging er mit einem Harkness-Stipendium an die Princeton University, wo er Milton Babbitt kennenlernte.

In den 1980er-Jahren arbeitete Harvey auf Einladung von Pierre Boulez am IRCAM Paris, wo u. a. sein Orchesterwerk Speakings entstand, in dem er, unter Verwendung von Live-Elektronik versuchte, das Orchester «zum Sprechen zu bringen» («make an orchestra speak»). Bhakti für Ensembles und Elektronik, Mortuos Plango, Vivos Voco sowie sein Streichquartett Nr. 4 entstanden in diesen Jahren, u. a. für das Ensemble intercontemporain.

Seine Werke umfassen Kompositionen für großes wie Kammerorchester sowie für Soloinstrumente. 1993 wurde seine Oper The Inquest of Love in London, 2007 Wagner Dream in Luxembourg uraufgeführt. 2008 kamen Messages und Speakings heraus, die, wie auch Body Mandala und … towards a Pure Land aus seiner Zeit als Composer in Association des BBC Scottish Symphony Orchestra (2005−2008) hervorgingen; 2009 wurde er Composer in Residence des Huddersfield Contemporary Music Festival.

Jonathan Harvey war Harkness Fellow in Princeton (1969–1970), lehrte Musik an der Sussex University (1977−1993) und war Professor für Musik an der Stanford University (1995−2000). Er war Honorary Fellow des St. John’s College, Cambridge, sowie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin 2009.

Noch in seinem letzten Lebensjahr komponierte er trotz schwerer Erkrankung weiter, es entstanden seine drei letzten Werke Cirrus Light für Soloklarinette, The Annunciation für den Chor des St John’s College Cambridge sowie das Chorwerk Plainsongs for Peace and Light.

Heute werden seine Werke von so renommierten Ensembles wie Musikfabrik, Ensemble Modern, Ensemble Intercontemporain, ASKO und Ictus Ensemble aufgenommen und an allen großen Konzerthäusern sowie bei renommierten Festival weltweit gespielt; sein Nachlass befindet sich seit 2016 in der Paul Sacher Stiftung Basel.

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