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Betsy Jolas

* 1926 in Paris

Komposition

Betsy Jolas studierte in den USA, woher ihr Vater kam und die Familie ab 1940 lebte, Komposition bei Paul Boepple, Klavier bei Helen Schnabel und Orgel bei Carl Weinrich. 1946 kehrte sie nach Frankreich zurück und schloss ihre Ausbildung am Pariser Konservatorium bei Darius Milhaud (Komposition), Simone Plé-Caussade und Olivier Messiaen (Musikanalyse) ab. Im Zentrum ihrer Arbeiten steht die Stimme, sowohl als Gesangs- wie Sprechstimme wie auch als Stimme der Instrumente, die sie immer wieder in unterschiedlichen Formationen sprechen lässt. Früh mit dem Wort und dessen Vortrag vertraut, wurde sie ab dem 1960er-Jahren eine Begleiterin ihres Mentors Pierre Boulez, dessen programmatische Konzertreihe Domaine Musical sie begleitete; sie machte sich den Pointillismus der seriellen Musik in ihren Werken niemals ganz zu eigen und bemühte sich sehr bewusst nie um einen «Bruch» mit dem musikalischen Erbe der Vergangenheit, wobei auch hier ihre Konzentration auf Komponisten und Werken lag, die der Stimme eine wichtige Rolle zugewiesen hatten.

Im Bestreben, eine «nahtlose Musik anzubieten, deren Form ständig erneuert wird, so, wie ich es mir immer erträumt habe», verwahrte sich Betsy Jolas sowohl gegen eine strenge Abstraktion wie den Wunsch, dass Musik nicht mehr nur schön sein könne, um interessant zu bleiben. Sie komponiert seit 1945 kontinuierlich, darunter vor allem Liederzyklen und Werke für Soloinstrumente (Points D’Aube, Trois Rencontres, Stances, Side Roads), in denen sie deren eigene «Stimme» in den Fokus nahm, aber auch Opern (Le Pavillon au Bord de la Rivière, Schliemann, Le Cyclope), Werke für kleinere Orchesterbesetzung (D’un opéra de voyage, Quatre Plages, Well Met) und Symphonieorchester (B Day, A Little Summer Suite) sowie für größere Solist*innen-Ensembles und Chor. Künstler*innen wie Kent Nagano, Anssi Karttunen, Claude Delangle, William Christie, Håkan Hardenberger, Antoine Tamestit, Nicolas Hodges und Sir Simon Rattle sowie führenden Ensembles und Orchester wie Ensemble intercontemporain, Berliner Philharmoniker, Orchestre de Paris, Boston Symphony Orchestra und BBC Symphony Orchestra zählen zu ihren Interpret*innen.

Betsy Jolas, die bis 1971 für die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ORTF arbeitete, vertrat von 1971 bis 1974 Olivier Messiaen am Pariser Konservatorium, wo sie im Jahr darauf Professorin für Musikanalyse und ab 1978 für Komposition wurde. Daneben unterrichtete sie u. a. in Tanglewood, an der Yale University, der Harvard University und dem Mills College (Lehrstuhl Darius Milhaud). Zu ihren zahlreichen internationalen Auszeichnungen reihen sich u. a. die Ernennung zum Commandeur des Arts et des Lettres und zur «Personnalité de l'année» in Frankreich (1992) sowie 1997 zum Chevalier de la Légion d’honneur. Seit 1983 ist sie Mitglied der American Academy of Arts and Letters, seit 1995 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

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