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Julián Carrillo

* 1875 in Ahualulco; † 1965 in Mexiko-Stadt

Komposition

Julián Carrillo begann 1885 in San Luis Potosí zu studieren, musste seine Ausbildung auf Grund der schwierigen finanziellen Situation seiner Familie bald wieder abbrechen. Ab 1894 konnte er dank des Erfolgs einer von ihm komponierten Messe am Conservatorio Nacional de Música in Mexiko weiterstudieren. Ab 1899 studierte er in Europa, zunächst in Leipzig und dann Gent. 1904 kehrte er nach Mexiko-Stadt zurück, wo er als Violinist, Dirigent und Komponist lebte und am Konservatorium Musikgeschichte, Instrumentation, Kontrapunkt und Komposition unterrichtete.

Mit dem Ende der Regierung General Victoriano Huertas musste Julián Carrillo in die USA fliehen, wo er in New York City das American Symphony Orchestra leitete. Er experimentierte mit neuen Tonsystemen, den «Sonido trece», die auf der Aufteilung der Oktave in Mikrointervalle beruhten, und publizierte dazu in seiner Teoría del Sonido 13. Nach seiner Rückkehr nach Mexiko leitete er das Orquesta Sinfónica Nacional und wurde Direktor des Nationalkonservatoriums. 1925 stellte Carrillo seine Mikroton-Kompositionen der breiteren Öffentlichkeit vor, die Grupo Sonido 13 unter Angel Reyes wurde gegründet. 1926 kehrte er nach New York zurück, wo er die zweisprachige Zeitschrift The Thirteenth Sound: The Herald of America’s Musical Culture herausgab. 1930 gründete er die Sinfónica del Sonido 13; 1940 konstruierte er 15 Klaviere, mit denen er alle Tonintervalle von Ganz- bis zu Sechzehnteltönen erzeugen konnte; 1949 entwickelte er ein Dritteltonklavier, das er 1954 der Schola Cantorum in Paris schenkte.

Zwischen 1960 und dem Jahr seines Todes, 1965, nahm er mit dem Orchestre des Concerts Lamoureaux rund 30 Werke mit Musikern wie Jean-Pierre Rampal, Bernard Flavigny, Robert Gendre und Reine Flachot auf.

Julián Carillo erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen. Kurz vor seinem Tod schrieb die englische Times über ihn: «Wir sind geneigt, ihn als den Atomspalter der Musik zu bezeichnen, nur dass diese Bezeichnung nichts darüber verrät, welche reiche Gefühlswelt er uns eröffnet hat.»