zum Inhalt springenzur Navigation
Lukas Sternath

Lukas Sternath

Foto: 

Konzert, Literatur

HASSELHORN / STERNATH

Programm

  • Gustav Mahler: Kindertotenlieder (Text: Friedrich Rückert) (1901–1904) - 24'
  • —
  • Franz Schubert: Winterreise. Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller D 911 (Text: Wilhelm Müller) (1827) - 67'

Mitwirkende

Ein Rätsel, das Schubert ist. Ein Rätsel, das uns aufgegeben wird, indem einer sich selbst aufgegeben hat, und wir stehen jedenfalls nicht auf dem Adreßaufkleber.
Diese Selbstaufgabe ist allerdings auch keine Form der Resignation oder Preisgabe oder Lethargie. Es wird nicht sorgenvoll geblickt. Wunden werden nicht gezeigt. Verletzungen nicht verbunden, überhaupt wird eine Verbundenheit mit uns zwar hergestellt, aber auch geleugnet, sobald man den Ländler mit-schnaderhüpfeln möchte. Ähnlich wie bei der in ihrer scheinbaren Selbstgewißheit doch gleichzeitig dem Zuhörer buchstäblich unter den Händen zerbrechenden Rustikalität Mahlers (die aber andre Ursprünge hat, die Brüchigkeit der bürgerlichen Klasse und die Verweigerung, den Juden je zu integrieren), sind auch diese Schubertiaden-Volksweisen nicht dazu da, daß man in ihnen zuhause ist, weil man sie so oder so ähnlich schon oft gehört hat und daher mitsingen kann. Im Gegenteil, diese Komponisten des brüchigen Bodens, den sie doch immer wieder beschwören - es ist der sogenannte Heimatboden, der brüchigste von allen also, weil natürlich jeder ausgerechnet von ihm Tragfähigkeit erwartet - schreiben über das, worauf sie gewachsen sind, um sich zu vergewissern, überhaupt da zu sein, und dabei fällt es ihnen unter den Füßen ins Nichts; und schon das Bemühen, es zu fassen, wird zu einer endlosen Erniedrigung, die einen zum Hund macht, der etwas bellend umkreist, das er nicht kennt. 
(Elfriede Jelinek: Zu Franz Schubert, 1998)

Produktion Musikverein
Kooperation Wien Modern
Im Rahmen der Musikverein Perspektiven: Elfriede Jelinek, kuratiert von Bernhard Günther, Stephan Pauly und Claus Philipp