Wien Modern Eröffnungswochenende
Mit der Donau
Im großen Ganzen | Neue Musik und Ökosysteme
Das Festivalthema liegt in der Luft: Erstaunlich viele Musiker:innen, Komponist:innen und Künstler:innen untersuchen aktuell Ökosysteme mit den Mitteln der Musik. Wien Modern lädt zum genauen Zuhören ein – von Kaulquappen in den Donau-Auen bis zu Insektenklängen, aufgenommen mit Lasermikrophonen. Hörbar wird eine Welt voller Schönheit und fragiler Zusammenhänge, in der Menschen nicht selbstverständlich im Zentrum stehen.
Vor dem Eröffnungswochenende: Ausstellungen und Installationen
Annea Lockwood: A Sound Map of the Danube | MAK Forum
Drei Tage vor dem Eröffnungskonzert, am Dienstag, 27. Oktober, um 19:00 Uhr, eröffnet im MAK Forum Annea Lockwoods Multikanal-Klanginstallation A Sound Map of the Danube. Bereits um 18:00 Uhr spricht die Komponistin mit Kristina Pia Hofer über ihre Arbeit. Die Arbeit an diesem klanglichen Flussporträt begann 2001 in Donaueschingen und führte Lockwood über vier Jahre und rund 80 Etappen bis ans Schwarze Meer. Vom Rauschen eines Dammes über das sprudelnde Wasser am Bug einer Fähre bis hin zu Geschichten von Menschen am Fluss gibt es in der 167-minütigen Installation vieles zu entdecken – eine besondere Einladung, der Natur und ihren lebendigen, komplexen Klangwelten mit aufmerksamem Zuhören zu begegnen. Die Ausstellung läuft bis 29. November.
Bernhard Leitner: Soundspacesculpture | Secession
Bereits seit 11. September und noch bis 22. November lässt sich in der Secession die Arbeit von Bernhard Leitner mit (fast) allen Sinnen erfahren. Seit mehr als fünf Jahrzehnten gestaltet der ausgebildete Architekt mit Ton skulpturale Räume. Ton-Raum-Skulpturen wie die Ton-Liege und die neue Arbeit Wasser Würfel / Wand Wellen werden durch Fotografien, Grafiken und Modelle ergänzt.
Donaurauschen & Flussgeflüster | ZOOM Kindermuseum
Seit 23. September und noch bis September 2027 erkunden Kinder von sechs bis zwölf Jahren im ZOOM Kindermuseum die Donau. Künstlerische Mitmachstationen, Spielangebote und Experimente machen die Kräfte des Flusses und das Leben in und an der Donau erfahrbar.
Wien Modern – Wochenende 1 im Detail
Freitag, 30. Oktober 2026
Chuchchepati Orchestra: Flight of the Bumblebee II | Wiener Konzerthaus
Der Eröffnungstag beginnt um 18:00 Uhr mit der Vernissage von Flight of the Bumblebee II auf der Feststiege des Wiener Konzerthauses. Als Hommage an die vom Aussterben bedrohte Insektenwelt lässt das Chuchchepati Orchestra eine Sammlung wissenschaftlicher Aufnahmen erklingen: 59 mit Lasermikrophon aufgenommene Klangdokumente geben Einblick in die Vibrationskommunikation von Insekten und Spinnen – von den zarten Duetten von Blattläusen bis zu den Notrufen von Raubwanzen. Die Installation ist bis 10. November zu erleben, der Zugang ist mit einem Ticket für eine Veranstaltung des jeweiligen Tages im Wiener Konzerthaus kostenlos.
Chuchchepati Orchestra
Eröffnungskonzert | Pia Palme: Mit der Donau | Wiener Konzerthaus
Um 19:30 Uhr folgt im Großen Saal des Wiener Konzerthauses die Uraufführung von Mit der Donau. Zum künstlerischen Team gehören die Komponistin Pia Palme, die Künstlerin Lisa Horvath, die Sopranistin Juliet Fraser, die Tanzperformer:innen Elie Halonen und Satu Hakamäki sowie der zweitlängste Fluss Europas. Um Erfahrungen aus der letzten großen Fluss-Auenlandschaft Mitteleuropas in die Sphäre der Kultur mitzunehmen, setzt die abendfüllende Komposition und Rauminstallation ein sensibles Zusammenwirken von Orchester, Klängen aus der Natur, Stimme, Bewegung, Video und Rauminstallation in Gang. Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Leitung von Irene Delgado-Jiménez lädt damit zur ersten von zahlreichen Erkundungen verschiedenster Ökosysteme im Festival. Bereits um 18:30 Uhr bietet PLUS: Einführungsgespräch im Wotruba-Salon Gelegenheit, mehr über die Produktion zu erfahren.
Samstag, 31. Oktober
Olga Neuwirth / Elfriede Jelinek: Ghosts & Vampires | Musikverein
Im Musikverein beginnt das gemeinsam mit Wien Modern gestaltete und produzierte fünftägige Porträt Musikverein Perspektiven: Elfriede Jelinek. Den Auftakt bildet um 16:00 Uhr im Metallenen Saal die Vernissage von Olga Neuwirths Multimedia-Installation Ghosts & Vampires, die hier ihre Uraufführung erlebt. Als Vampirinnen Vampi und Bampi haben sich Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek mit Humor und Ironie in ihre Oper Monster’s Paradise eingeschrieben. In der neuen Installation findet das Doppelporträt der seit vier Jahrzehnten befreundeten Künstlerinnen eine eigenständige Form: Auf einem Floß treiben die beiden über das Eismeer, begleitet von Schubert und einem mit Erdbebendaten programmierten, computergesteuerten Flügel, der sich zunehmend ihrer Kontrolle entzieht. Die Installation verbindet eine neue Mehrkanal-Mischung der Orchesteraufnahmen aus der Schlussszene der Oper mit den Stimmen von Jelinek und Neuwirth selbst. Das Publikum kann sich interaktiv auf das Floß begeben. Ghosts & Vampires ist bis 4. November bei freiem Eintritt zugänglich, am Eröffnungswochenende jeweils von 16:00 bis 22:30 Uhr.
Ghosts and Vampires
Besser wird’s nicht: Petra Slottová / Samouil Stoyanov | Musikverein
Um 17:00 Uhr eröffnen Petra Slottová an der Flöte und Samouil Stoyanov mit einer Lesung im Gläsernen Saal die dreiteilige Reihe Besser wird’s nicht. Ausgangspunkt sind die seit 1996 auf Jelineks Website veröffentlichten Texte zu Musik, Theater, Literatur, Film, Politik, Gesellschaft und Österreich. In einer schnellen Abfolge älterer und jüngerer Polemiken, Preisreden und Stückauszüge treffen tiefer Schmäh und hoher philosophischer und literarischer Anspruch aufeinander. Textfassung und Dramaturgie stammen von Claus Philipp.
Liza Lim: Tree of Codes | Reaktor
Am Abend um 19:30 Uhr präsentiert die Neue Oper Wien im Reaktor die österreichische Erstaufführung von Liza Lims Oper Tree of Codes. Die musikalische Leitung übernimmt Anna Sushon, die Inszenierung Emily Hehl, es spielen Musiker:innen des Klangforum Wien und der PPCM Academy. Die Oper erzählt von einem Kind, das in einer verschobenen, traumartigen Welt den Aufstieg und Fall seines Vaters erlebt – und sich am Ende selbst an dessen Stelle wiederfindet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überlagern einander, Realität und Erinnerung verschwimmen zu einer poetisch-fragilen Zwischenwelt. Ausgehend vom «herausgeschnittenen» Buch von Jonathan Safran Foer entfaltet sich ein vielschichtiges Musiktheater über Herkunft, Erinnerung und die unsichtbaren Spuren von Zeit. Hybride Wesen und klangliche Metamorphosen bevölkern die Bühne; Sopran, Bariton, Stimme und Klarinette verbinden sich mit Ensemble und Elektronik.
Sonntag, 1. November
Besser wird’s nicht: Eva Jantschitsch / Ferdinand Schmatz | Musikverein
Am Sonntag setzt sich das Jelinek-Porträt um 17:00 Uhr im Gläsernen Saal des Musikvereins mit einer Uraufführung fort: Ferdinand Schmatz und Eva Jantschitsch präsentieren Masche und Schema, eine «Wort-Klang-Wolke» zu und mit Jelineks «Privatroman» Neid. Schmatz übernimmt Lesung, Text und Montage, Jantschitsch Musik und Klang. Gemeinsam folgen sie dem wilden Wort-Satz-Gewächs des Romans, seinem Stottern und dem Sog einer sich auflösenden, semantisch verfestigten Welt.
Samuel Hasselhorn / Lukas Sternath | Musikverein
Um 19:30 Uhr machen Samuel Hasselhorn und Lukas Sternath im Brahms-Saal zwei zentrale musikalische Bezugspunkte Elfriede Jelineks hörbar: Der Bariton und der Pianist verbinden Gustav Mahlers Kindertotenlieder nach Gedichten von Friedrich Rückert mit Franz Schuberts Winterreise nach Wilhelm Müller. Beide Komponisten beschreibt Jelinek in ihrem Text Zu Franz Schubert als «Komponisten des brüchigen Bodens» – ihre Musik stellt Vertrautheit her und lässt sie zugleich wieder zerbrechen.
