Elfi und Andi
Olga Neuwirth (1997)
Ausgehend von zwei realen Fällen, die in Österreich für erhebliches mediales Aufsehen sorgten, schrieb Elfriede Jelinek für Olga Neuwirths Komposition Elfi und Andi zwei Monologe, die später auch Eingang in ihren Theatertext Ein Sportstück (1998) fanden. Die Wienerin Elfriede Blauensteiner, die als «schwarze Witwe» in die Schlagzeilen geriet, suchte über Kontaktanzeigen ältere Personen, um an ihr Geld zu kommen. Sie verabreichte ihren meist wohlhabenden Opfern eine Medikamentenüberdosis und versuchte anschließend durch gefälschte Testamente, an deren Vermögen zu kommen. 1997 wurde sie wegen Mordes verurteilt, insgesamt tötete sie drei Personen. Andreas Münzer war ein steirischer Profi-Bodybuilder, der zunächst für seine extreme Muskeldefinition («Härte») und seinen geringen Körperfettanteil bekannt wurde. Sein Tod 1996 im Alter von 31 Jahren löste einen Wendepunkt in der Debatte über Doping und Selbstoptimierung aus. «Der Monolog der Witwe, deren ‹Sport› das Töten anderer Körper ist (Gewalt), und der des jungen Mannes, der, um Sportler zu werden, seinen eigenen Körper aufbauen will und ihn zugleich abbaut, laufen in Neuwirths Komposition über- und nebeneinander, werden parallel gesetzt und enggeführt.» (Pia Janke) Elfi und Andi entstand im Auftrag des WDR Köln und wurde bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik 1997 uraufgeführt. Es wurde von Olga Neuwirth zum radiophonen Hörstück Todesraten (1997) weiterentwickelt.
«In Elfi und Andi kommen zwei Textflächen überein, sich miteinander in die Aufmerksamkeit des Hörers zu drängen, wobei sie fast die Tür aus den Angeln reißen, weil sie eben beide gleichzeitig hindurch wollen. Einmal die alte Frau: Mörderin, Hoffnung der Männer. Eine alte Frau, die Annoncen aufgibt, in denen sie alleinstehende ältere Männer ohne Anhang sucht. Die bringt sie dann um, um sie zu beerben. Sie betreibt das Töten als Sport, indem sie, anstatt sich selber gefälligst anzustrengen, gefällig aussieht und in anderen, schon verfallenen Körpern wütet. Ihr Sport ist also das Töten. Der junge Mann, Andi, ist einer, der den Schritt in den fremden Körper nicht getan hat. Er tollt dafür umso unbekümmerter im eigenen herum, stopft sich mit bunten Pillen voll, nur um selbst einen Körper wie sein großes Vorbild Arnie zu errichten. Er möchte sich selbst gebären, Fleisch an sich anbauen, doch, indem er seine Muskeln aufbaut, baut er sich innerlich vollkommen ab. Sport, oh, wie trügerisch! Da glaubt man, sich aufbauen zu können, und in Wirklichkeit baut man sich ab. Man darf eben nicht gegen die Natur vorgehen und dabei eine neue Natur schaffen wollen. In der Technik gilt nur als anwesend, was vorauszuberechnen ist. Die beiden Protagonisten haben mit sich der eine, mit anderen die andere, gespielt. Das kann schiefgehen. Nur das zählt, was ist. Die beiden haben weggeräumt, was ist, der eine sich, die andere andere. Was ist nun zu behalten von den beiden? Die Gerichtsmediziner haben das Wort. Sie untersuchen den einen als sein eigenes Opfer, dann untersuchen sie die Opfer der anderen, der Frau.» (Elfriede Jelinek, in: Wittener Tage für neue Kammermusik 1997, Programmbuch, S. 69.)
Produktionen
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BLACK PAGE ORCHESTRA
Elfi und Andi für Sprecher, E-Gitarre, Kontrabass, Bassklarinette, Saxophon und CD-Zuspielungen (Stimme vom Tonband: Marianne Hoppe) Text: Elfriede Jelinek(1997 EA)- '
02.11.2026 20:00, Musikverein, Gläserner Saal
