Modified Grounds
Konzert, Research
KATRIN HORNEK / JUDITH UNTERPERTINGER:
MODIFIED GROUNDS #3
Programm
- Katrin Hornek, Judith Unterpertinger: Modified Grounds #3 Vorago. Begehbare Sound-Installation für 120-stimmigen Chor auf der kommunalen Deponie Rautenweg (2025–2026) - 60'
Mitwirkende
- Katrin Hornek: Künstlerische Leitung, Idee, Ortssuche, Recherche, Konzept, Örtliche Setzung, Text
- Judith Unterpertinger: Künstlerische Leitung, Recherche, Konzept, Örtliche Setzung, Komposition, Text
- Fiston Mwanza Mujila: Text
- Karin Pauer: Dramaturgisch-choreografische Begleitung
- Ivana Lazić: Produktionsassistenz
- Wiener Kammerchor
- Michael Grohotolsky: Chorleitung
- Neue Wiener Stimmen
- Miriam Laznia: Chorleitung
Modified Grounds untersucht die tiefgreifenden geologischen Veränderungen, die durch menschliche Bau-, Produktions- und Konsumprozesse hervorgerufen werden. Für die mehrteilige Werkserie übersetzen die bildende Künstlerin Katrin Hornek und die Komponistin Judith Unterpertinger geologische, industrielle und urbane Materialbewegungen in performative Klanginstallationen. Daten, wissenschaftliche Beschreibungen und Erzählungen werden dabei als Partitur gelesen und in musikalische Strukturen übertragen. So entstehen ortsspezifische Arbeiten, die globale Stoffstrome hörbar und körperlich erfahrbar machen. Nach den ersten beiden Teilen – Modified Grounds #1 Formwork (2018) im Doka-Werk Amstetten und Modified Grounds #2 Concrete Voids (2019) im Innenraum der Brigittenauer Brucke – widmet sich Modified Grounds #3 der Mülldeponie Rautenweg im 22. Wiener Gemeindebezirk.
Der künstlich entstandene „Berg aus Mist“ ist über Jahrzehnte aus zunächst unbehandeltem, später verbranntem und betoniertem Restmüll gewachsen und bildet heute die höchste Erhebung des Bezirks. Der Deponiekörper wird dabei zum Sinnbild eines Zustands permanenter Verdauung und gleichzeitiger Unverdaubarkeit: Müll verschwindet nicht, sondern lagert sich ab, verdichtet sich, schreibt sich dauerhaft in die Erdoberfläche ein und wird so zum Gedächtnis globaler Konsumprozesse. Im Inneren der Deponie wirken weiterhin chemische und thermische Prozesse – der Berg „atmet“, setzt Gase frei und transformiert sich langsam weiter.
Ausgehend von diesen Prozessen entwickelt das Projekt eine ortsspezifische Komposition für zwei Chöre. Die Neuen Wiener Stimmen und der Wiener Kammerchor begleiten das Publikum performativ auf den Gipfel der Deponie – wo sich Gesang, Lautfolgen und chorische Beschwörungen zu einer gemeinsamen Klanglandschaft verdichten.
Das Textmaterial der Komposition basiert auf Restmüllsortieranalysen, Bohrkerndaten, Konsumerhebungsdaten sowie poetischen Texten, die gemeinsam mit Fiston Mwanza Mujila entwickelt werden.
Inhaltlich setzt sich die Arbeit mit Prozessen des Verschlingens, Verdauens, Wegwerfens, Externalisierens und der Rückkehr des Verdrängten auseinander. Müllhalden und toxische Zonen werden im Kapitalismus an die vermeintlichen gesellschaftlichen und geografischen Rander verschoben – gleichzeitig kehren ihre Folgen global zurück: als Klimakrise, Mikroplastik oder steigende CO2-Konzentration.
Die Produktion ist mit einem Spaziergang mit zahlreichen Stufen verbunden und findet im Außenbereich statt. Festes, geschlossenes Schuhwerk ist vorgeschrieben. Wetterfeste Kleidung ist notwendig. Das Gelände ist leider nicht barrierefrei zugänglich.
Bei Schlechtwetter informieren wir Sie kurzfristig über Verschiebung auf die Ausweichtermine am 14.11.2026 oder Absage. Die Wetterentscheidung fällt 3 Std. vor Vorstellungsbeginn und wird dann hier auf der Wien Modern Website veröffentlicht.
Tipp: Jeden 1. Samstag im Monat um 10:00 Uhr bietet die MA 48 eine kostenlose Besichtigung der Müllverbrennungsanlage Pfaffenau an (ausgenommen Feiertag). Infos und Anmeldung.
Zusätzlich gibt es am 20.11.2026 um 15:30 Uhr eine kostenlose Spezialführung für das Publikum von Wien Modern. Eine vorherige Anmeldung unter pfaffenau2026@gmail.com ist erforderlich.pfaffenau2026@gmail.com
Weitere Termine
Produktion Wien Modern
Kooperation Stadt Wien Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark MA 48
Mit freundlicher Unterstützung von Stadt Wien Kultur Arbeitsstipendium Komposition 2026
Ermöglicht von Kunst im öffentlichen Raum Wien
