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Catherine Lamb

Komposition

* 1982 in Olympia, Washington (USA); lebt in Berlin

In der Musik von Catherine Lamb wird die Mathematik der Harmonie durch die Körperlichkeit der materiellen Welt erforscht. Lamb verleiht den kristallinen Strukturen der harmonischen Reihe Ausdruck durch subtile Nuancen von Reibung, Druck, Atem und Bogenwechseln, die den Klang der idealisierten Harmonien prägen. Die von ihr konstruierten musikalischen Formen verbinden das Akustische mit dem Taktilen und dem Visuellen, machen das einst Undurchsichtige transparent, verwandeln Fleisch in Knochen und gehen vom Schatten ins Licht über. Diese Dualitäten und Metaphern spiegeln Lambs tiefes Interesse an der grundlegenden Natur des Klangs wider und finden sich oft in den Titeln ihrer Stücke wieder: shade/gradient (2012), point/wave (2015), interius/exterius (2022).
Lambs Herangehensweise an Stimmung und Tempo ist geprägt von ihrem Studium bei dem mikrotonalen Komponisten James Tenney und dem experimentellen Filmemacher und Dhrupad-Musiker Mani Kaul am California Institute of the Arts. Wie ihre Mentor:innen ist Lamb eine Verfechterin der Musik anderer, eine begeisterte Kooperationspartnerin und eine Schlüsselfigur in verschiedenen lebendigen Musikgemeinschaften. Während ihrer Zeit in Los Angeles war Lamb Mitbegründerin von singing by numbers, einem Frauenchor, der sich zum Ziel gesetzt hatte, mit Sängerinnen aus den unterschiedlichsten musikalischen Hintergründen neue pädagogische Ansätze für den mikrotonalen Gesang zu entwickeln.
Die Verschmelzung musikalischer Erkundungen mit feministischen Praktiken zeigt sich auch in ihrer Zusammenarbeit mit dem Geiger und Bratschisten Johnny Chang, in der sie die längst vergessene Musik einer fiktiven Musikerin, Viola Torros, «wiederentdecken und interpretieren». Dabei hinterfragen und verwischen sie die Ursprünge der frühen europäischen Musik und lenken die Aufmerksamkeit auf den Ausschluss realer Musikerinnen aus den historischen Aufzeichnungen.
Lamb ist eine der renommiertesten und gefragtesten Komponist:innen ihrer Generation. Ihre Werke wurden von führenden Ensembles für neue Musik wie dem JACK Quartet, Yarn/Wire, Dedalus und dem Ensemble Musikfabrik in Auftrag gegeben. Ihre Texte und Aufnahmen erscheinen bei KunstMusik, im Open Space Magazine, bei New World Records, Another Timbre, Other Minds, Sound American und Sacred Realism. Von 2016 bis 2017 war sie Artist-in-Residence an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Im Jahr 2018 erhielt sie ein Stipendium der Foundation for Contemporary Arts Grants to Artists. Im Jahr 2020 wurde ihr der renommierte Ernst-von-Siemens-Komponist:innenpreis verliehen. Derzeit lebt sie in Berlin, wo sie an zahlreichen Initiativen für neue Musik mitwirkt, darunter das Experimentalmusik-Label Sacred Realism und das Harmonic Space Orchestra. (Laura Steenberge, Michael Winter)
 

Version 2026
frühere Version(en): 2020

Werke & Mitwirkungen

2026
2020