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Younghi Pagh-Paan

* 1945 in Cheongju (Südkorea); lebt in Bremen

Komposition

Younghi Pagh-Paan studierte von 1965 bis 1972 Komposition und Musikwissenschaft an der Staatlichen Universität Seoul. Bereits als Kind lernte die aus einer kinderreichen südkoreanischen Arbeiterfamilie stammende Komponistin sowohl westliche wie auch traditionelle koreanische Musik kennen, die ihren frühen musikalischen Horizont prägte. Jahre später kamen ihr diese Erfahrungen wieder in das Bewusstsein, als sie die politischen Unruhen von 1968 als Musikstudentin an der Universität in Seoul miterlebte. Von da an war ihr klar, dass fortschrittliches Komponieren in Korea nicht bedeuten konnte, westliche Vorbilder zu imitieren, sondern dass ihre Musik an die eigenen kulturellen Traditionen anknüpfen musste. Younghi Pagh-Paan verbindet in ihren von einer ganz eigenständigen Qualität geprägten Kompositionen seither konsequent die koreanisch-traditionelle Musikkultur (etwa Tonbewegungen statt Tonstufen) mit der westlichen Moderne. Durch ein Stipendium des DAAD kam sie 1974 nach Deutschland, um ihre Studien bis 1979 bei Klaus Huber, Brian Ferneyhough und Peter Förtig an der Musikhochschule Freiburg fortzusetzen. International bekannt machte sie 1980 die Aufführung ihres Orchesterwerkes Sori bei den Donaueschinger Musiktagen. Nach Gastprofessuren an den Musikhochschulen Graz und Karlsruhe wurde sie 1994 als Professorin für Komposition an die Hochschule für Künste Bremen berufen. Dort gründete sie das «Atelier Neue Musik», das sie bis zu ihrer Verabschiedung 2011 leitete. Zur Emeritierung 2011 wurde ihr vom Senat der Freien Hansestadt Bremen die Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Younghi Pagh-Paan erhielt zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen, zuletzt den 15th KBS Global Korea Award. 2009 wurde sie zum Mitglied der Akademie der Künste Berlin gewählt; 2013 erhielt sie den Paiknam-Preis von der Paiknam Memorial Foundation in Seoul, 2015 den Preis für Europäische Kirchenmusik, 2017 den Special Contribution Prize der Dawon Music Awards, 2018 die FEM-Nadel des Deutschen Komponistenverbands. Die Regierung von Südkorea ehrte sie 2018 mit einem Bogwan-Orden für kulturelle Verdienste. Seit 1980 werden ihre Werke von G. Ricordi & Co. Berlin verlegt. 2013 hat sie die Dokumente ihres kompositorischen Schaffens der Paul Sacher Stiftung in Basel übergeben, wo sie dauerhaft archiviert und der internationalen Musikforschung zugänglich gemacht werden.