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Isang Yun

* 1917 Sancheong (heute: Südkorea); † 1995 Berlin

Komposition

Isang Yun wurde als Sohn des Dichters Yun Ki-hyon geboren. Mit drei Jahren zog er mit seiner Familie nach Tongyeong. Mitte der 1930er-Jahre studierte er für kurze Zeit am Osaka College of Music, ab 1938 Komposition bei Tomojiro Ikenouchi in Tokio. Nachdem Japan in den Zweiten Weltkrieg eingetreten war, kehrte er nach Korea zurück und beteiligte sich an der koreanischen Unabhängigkeitsbewegung, im deren Verlaufe er einige Zeit in japanische Gefangenschaft geriet. Nach dem Krieg leistete er Sozialarbeit, errichtete ein Waisenhaus für Kriegswaisen und unterrichtete Musik in Tongyeong und Busan. Ab 1953 lehrte er an der Seoul National University.

1956 ging er nach Europa, wo er am Pariser Konservatorium Komposition bei Tony Aubin und Pierre Revel und in West-Berlin und an der Musikhochschule bei Boris Blacher, Josef Rufer und Reinhard Schwarz-Schilling studierte. 1958 besuchte er die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, wo auch seine Karriere in Europa mit der Uraufführungen seiner Musik für sieben Instrumente begann. Es folgten fünf Stücke für Klavier sowie die Uraufführungen seines Oratoriums Om mani padme hum in Hannover 1965 und von Réak (1966) in Donaueschingen, bei dem er die koreanische Zeremonialmusik sowie Imitationen der ostasiatischen Mundorgel saenghwang (koreanisch), sheng (chinesisch) oder shō (japanisch) in die westliche neue Musik einführte.

Ab Ende 1959 lebte Yun in Krefeld, Freiburg im Breisgau und Köln. Mit einem Stipendium der Ford Foundation ließ er sich 1964 mit seiner Familie in West-Berlin nieder. Wegen angeblicher Spione wurde er zwei Jahre später nach Seoul ausgeliefert, gefoltert und zu lebenslanger Haft verurteilt. Dank einer weltweiten Petition, an der zahlreiche renommierte Künstler*innen teilnahmen, wurde er Anfang 1969 freigelassen, ging erneut nach West-Berlin und kehrte nie mehr in seine Heimat zurück; 1971 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Er unterrichtete in den folgenden Jahren Komposition an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und an der Hochschule der Künste West-Berlin. Wenige Monate nach seinem Tod wurde die Internationale Isang-Yun-Gesellschaft in Berlin gegründet.

yun-gesellschaft.de