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Olivier Messiaen

* 1908 in Avignon; † 1992 in Clichy

Komposition

Mit dem Umzug seiner Familie nach Paris trat Olivier Messiaen 1919 in das Pariser Conservatoire ein, wo er u. a. Komposition sowie Orgel und Improvisation studierte. Mit 22 Jahren wurde er zum Titularorganisten der Sainte-Trinité in Paris ernannt und führte dieses Amt bis zu seinem Tod aus. 1936 gründete er mit Yves Baudrier, André Jolivet und Jean-Yves Daniel-Lesur die Gruppe La Jeune France in Abgrenzung zum Neoklassizismus.

Frühen Einfluss auf sein kompositorisches Schaffen hatten die Harmonik ostasiatischer Musik, die er bei der Pariser Weltausstellung 1931 hören konnte, und das Schaffen des Organisten und Komponisten Charles Tournemire. 1939 wurde Olivier Messiaen in die Armee eingezogen und geriet 1940–1941 in deutscher Gefangenschaft, wo er Quatuor pour la fin du temps komponierte. Ab seiner Freilassung unterrichtete er am Pariser Conservatoire Harmonielehre und später Komposition und unterrichtete hier u. a. seine zweite Frau Yvonne Loriod sowie Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, Iannis Xenakis und George Benjamin.

Neben seinem tiefen katholischen Glauben und der engen Verbindung zur Natur, die sich für den leidenschaftlichen Ornithologen vor allem in Vogellautnachahmungen auch kompositorisch niederschlug (beginnend mit Le Merle noir, 1951, später beispielsweise in Catalogue d’oiseaux. Chants d’oiseaux des provinces de France), war die Gleichstellung aller musikalischen Parameter mit der Weiterentwicklung des Rhythmus zentral in Olivier Messiaens Werk. Er forschte über nicht umkehrbare Rhythmen, über «Modes», die der Zwölftonmusik ähnlich den Tonraum in Klangverhältnisse teilen, über Tonleitern aus gleich gebauten Gruppen, aber auch über die Übertragung natürlicher Modelle wie der Vogelstimmen auf Musik. Anregungen holte er sich aus der Zahlenmystik, indischen Rhythmen und der Gregorianik, der Klangwelt javanischer Gamelan-Orchester und der Synästhetik, dank der er Farben wahrnahm, während der komponierte. Bereits 1944 stellte er in seiner Abhandlung Technique de mon langage musical seine Kompositionstechnik dar (dt. 1966), die er in den folgenden Jahren konsequent verfolgte und die als dessen persönlicher «Messiaen-Stil» in nahezu alle seine Werke einfloss. Seine Klavieretüde Mode de valeurs et d’intensites, die bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik Darmstadt (1949) entstand, wurde zu einem der Gründungsdokumente des Serialismus, mit dem er sich selbst nur eine Zeitlang beschäftigte. Zu seinen hunderten Kompositionen zählen vor allem Orchesterwerke, Kammermusik, Klavierwerke, Orgelwerke und Vokalmusik; zu seinen bekanntesten Stücken zählen seine Tristan-Trilogie (Harawi, chant d’amour et des morts, 1945; Cinq rechants, 1948; Turangalîla-Symphonie, 1949 sowie als Ballett 1968), der Catalogue d’oiseaux für Klavier (1959), das Livre d’orgue (1953) sowie seine Oper Saint-Francois d’Assise, die 1983 nach achtjähriger Kompositionszeit in Paris uraufgeführt wurde.

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