zum Inhalt springenzur Navigation

Wyschnegradsky, Ivan

Komposition

* 1893 in St. Petersburg, † 1979 in Paris

Ivan Wyschnegradsky studierte von 1911 bis 1914 bei Nikolai A. Sokolow Komposition am Konservatorium in Sankt Petersburg. Das Werk des Pianisten und Komponisten Alexander N. Skrjabin beeinflusste den jungen Komponisten stark. Aus den Vorstellungen eines «Klangkontinuums», die Wyschnegradsky in den folgenden Jahren und Jahrzehnten entwickelte, entstanden zahlreiche Kompositionen unter Verwendung von Mikrointervallen und ultrachromatischen Systemen, die in der Musikwelt allerdings erst gegen Ende seines Lebens größere Aufmerksamkeit fanden. 1920 emigrierte er nach Paris. 1922 reiste er nach Berlin, um dort andere Komponisten zu treffen, die sich mit Vierteltönen beschäftigten: Richard Stein, Alois Hába, Willy von Möllendorff und Jörg Mager. Pläne, gemeinsam mit Hába ein Vierteltonklavier zu konstruieren, schlugen fehl; teils aus technischen Gründen, teils aufgrund von Visumproblemen, die ihn zur Rückkehr nach Paris zwangen. Nachdem auch in der Folgezeit Konstruktionsversuche eines Vierteltonklaviers nicht zu befriedigend spielbaren Lösungen führten (Wyschnegradsky ließ sich 1930 einen dreimanualigen Flügel bauen), entschied sich Ivan Wyschnegradsky 1936, seine bisherigen Kompositionen – auch inzwischen entstandene vierteltönige Orchesterwerke, die damals als unausführbar galten – für mehrere im jeweiligen Abstand gestimmte Klaviere umzuarbeiten (z. B. zwei Klaviere im Vierteltonabstand, drei Klaviere im Sechsteltonabstand). Anfang 1937 wurde ihm das Festival de musique à quarts de ton gewidmet. Bei dieser Gelegenheit wurden einige seiner Werke mit Besetzungen für zwei oder vier Klaviere im Vierteltonabstand uraufgeführt; die Komponisten Charles Koechlin und Olivier Messiaen wurden so auf ihn aufmerksam. Eine Fortsetzung scheiterte jedoch infolge des Kriegsausbruches. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Ivan Wyschnegradsky für drei Jahre in ein Sanatorium, um eine Tuberkulose auszukurieren, und geriet in eine Schaffenskrise. Messiaen und andere Kollegen ermutigten ihn, seine Arbeit fortzufahren. An einer Aufführung des Deuxième fragment symphonique in einer Fassung für vier Klaviere 1951 wirkte auch der junge Pierre Boulez mit. 1977 veranstaltete Radio France ein großes Konzert mit seiner Musik. Einer Einladung des DAAD als Composer in Residence nach Berlin konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachkommen.