Und, wie ist die Stimmung? Gut, es ist natürlich Zufall, dass unser nächstes Festivalthema ausgerechnet in dieses seltsame Pandemie-Jahr 2020 fällt, in dem sich auf einmal vieles genau so ungreifbar, wechselhaft und unerklärlich anfühlt wie der Begriff „Stimmung“.

Aber irgendwie scheint Musik der Stimmung an sich halt besonders nah zu sein: Manchmal reichen schon ein paar Töne, damit plötzlich eine Atmosphäre mitten im Raum steht. Neue Tonsysteme, radikal getunte Farbpaletten sowie außergewöhnliche Musikinstrumente, von jahrhundertealten Orgeln mit längst vergessenen Tonsystemen über komplett umgestimmte Klaviere bis zu wunderschönen Klangskulpturen – all das lässt sich im Herbst 2020 im Festivalprogramm von Wien Modern entdecken.

Wien Modern präsentiert Künstlerinnen und Künstler, die sich mit den Mitteln der Musik und ihrer Stimmungen von den strengen Rastern der Vergangenheit befreien – mal kunstvoll, mal anarchisch, aber immer mit viel Gespür für ungeahnte Zwischentöne. Das detaillierte Programm verraten wir hier pünktlich zum Vorverkaufsstart am 8. September 2020.

Die Liste der geplanten Ur- und Erstaufführungen ist aber durchaus schon mal Grund zur Vorfreude: Neue Werke für das Festival kommen von Peter Ablinger, Andres Bosshard, Friedrich Cerha, James Clarke, Martina Claussen, Chaya Czernowin, Werner Dafeldecker, Thomas Desi / Helga Utz, Hannes Dufek, Hugues Dufourt, Tamara Friebel, Ashley Fure, Susanne Gartmayr, Thomas Gorbach, Sofia Gubaidulina, Georg Friedrich Haas, Edu Haubensak, Hofstetter Kurt, Clara Iannotta, Peter Jakober, Betsy Jolas, Johannes Kalitzke, Thomas Kessler / Lukas Bärfuss, Volkmar Klien, Matthias Kranebitter, Herbert Lacina, Klaus Lang, Zarah Mani, Tim Mariën, Michael Moser, Pia Palme, Germán Toro Pérez, Winfried Ritsch, Gunter Schneider, Wolfram Schurig, Mia Zabelka u.v.a. 

Apropos Vorfreude, ausgerechnet im Pandemie-Jahr: Auch an Wien Modern sind trotz des relativ späten Festivalzeitraums die weltweiten Veranstaltungsverschiebungen der letzten Monate keineswegs spurlos vorüber gegangen. Wir arbeiten nach zahlreichen Anpassungen des ursprünglich geplanten Programms mit voller Kraft daran, dass das Festival in seiner jetzt geplanten Form Ende Oktober an den Start gehen kann. Wenn es bis dahin bei den derzeitigen Auflagen hinsichtlich Abstand und Platzkapazitäten bleibt, wird sich Wien Modern hier und da zwar ein wenig anders anfühlen als gewohnt.

Gerade einige der besonderen Momente des kommenden Festivals sollten aber überraschend gut geeignet sein, um sich nach langer Ausnahmesituation ganz auflagenkonform wieder neu aufs Hören einzustimmen – überraschende Raumklangerlebnisse im Stephansdom, im Kunsthistorischen Museum, im Naturhistorischen Museum und im mumok, ungewöhnliche Orgelmusik in sechs tatsächlich sehr stimmungsvollen Wiener Kirchen, Atelierbesuche bei experimentellen Instrumentenbauer*innen in ganz Wien u.v.a.

Wir freuen uns, im Herbst gemeinsam mit Euch und Ihnen wieder jene ungreifbare, unerklärliche und unverzichtbare Stimmung zu spüren, die nur dann entsteht, wenn Menschen gemeinsam Musik hören.

Bleibt gesund, stay tuned, schönen Sommer!

Bernhard Günther
und das Team von Wien Modern