Johannes Maria Staud (*1974)

Daniel Ender
Johannes Maria Staud – «Configurations/Reflet»
Erste Bank Kompositionsauftrag 2002

Die kompositorische Idee und ihre Verarbeitung, der Einfall und seine Durchführung durch das Dickicht einer Partitur, ein Gedanke und die aus ihm erwachsenden Konsequenzen – in dieser Spannung stehen in der Zeitkunst Musik alle künstlerischen Prozesse, soweit sie sich überhaupt noch in diesen dialektischen Feldern entfalten und sich mit ästhetischen Kategorien fassen lassen. Während dabei zwar zwischen Intuition, Emotion und rationaler Rechtfertigung, zwischen Subjektivität der Aussage und deren Objektivierung in einer Form von systematischer Sprachlichkeit unterschieden werden kann, durchdringen sich diese Momente nicht nur im künstlerischen Entstehungsprozess, sondern können auch ihre Spuren in mehr oder weniger deutlichem Ausmaß noch im fertigen Produkt hinterlassen.

Man kann sich nun, grob gesagt, als Komponist entweder dem Fluss der Gedanken überlassen und seinen Assoziationen frei folgen oder – im gleichermaßen nur als Extremfall vorstellbaren Gegenteil – nach der äußersten Disziplin logischer Durchgestaltung trachten. Man kann aber auch versuchen, beide Möglichkeiten miteinander zu verbinden, kompositorische Entscheidungen transparent zu machen, die beschrittenen Wege zu markieren und den hörenden Nachvollzug damit zum einen zu erleichtern, zum anderen der Wahrnehmung noch genügend Freiraum zu lassen, um gewissermaßen auf eigene Faust die in ihrer Mehrdeutigkeit ohnehin stets nur ausschnittsweise erfahrbaren musikalischen Landschaften zu erkunden.

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Wien Modern Galerie
Johannes Maria Staud

Textauszug aus: Daniel Ender: Der Wert des Schöpferischen. Der Erste Bank Kompositionsauftrag 1989–2007. 18 Porträtskizzen und ein Essay. Sonderzahl Verlag 2007. © Daniel Ender, alle Rechte vorbehalten. (pdf, 74 kb)