Susanna Niedermayr und Christian Scheib
Reisesplitter und Musikgeschichten
Aus dem Süden, Osten und Norden
Slowakei
«Violín» steht auf der Ortstafel, und sie markiert nicht nur die Einfahrt in ein winziges slowakisches Dorf, sondern auch in ein verschlungenes Kapitel aktueller slowakischer Musikgeschichten. Die verrückte Geige von Jon Rose, eines häufigen Gastes bei Freunden in der Slowakei, führt ins slowakische Violín. Das dort versteckte Violinmuseum könnte als unfreiwilliges Symbol dienen für andere slowakische Musikszenen. Jozef Czeres löst das Rätsel um das Dorf Violín: «Einerseits beginnt die Geschichte mit dem ‹Rosenberg Museum›, gewidmet der fiktiven Streicherdynastie der Rosenbergs, bekanntermaßen einer Erfindung und Obsession von Jon Rose. Eines Tages aber besucht mich Phill Niblock, er hat sein neues Stück mit, auf Kassette, und weil ich in der Wohnung kein Abspielgerät habe, setzen wir uns ins Auto und fahren spazieren, um seine Musik zu hören. Plötzlich kommen wir durch ein Dorf, das Violín heißt. Das hat natürlich nichts mit dem Streichinstrument zu tun, aber ich dachte, das muss ich Jon Rose erzählen. Und dann hatte ich ja auch noch den wirklichen Rosenberg gefunden: Milan Adamciak, die heute zurückgezogen lebende legendäre Ahnfigur alles experimentellen Musizierens und Kunstdenkens in der Slowakei, bei dem wir alle zum ersten Mal von John Cage, Fluxus und ähnlichem gehört hatten, ist nämlich Cellist, und er hatte schon viele Jahre zuvor dieses Pseudonym ‹Rosenberg› für schräge Streicherexperimente gewählt, weil er nämlich aus einem Ort stammt, dessen Name auf deutsch tatsächlich Rosenberg heißt. Noch alles klar? Auf jeden Fall rufe ich Jon Rose an und sage ihm: Erstens habe ich einen Ort für dein Museum gefunden und zweitens habe ich den realen Ahnherrn deiner fiktiven Dynastie. Dann kam er natürlich, wir sprachen mit dem Bürgermeister von Violín wegen eines permanenten Rosenberg-Museums. Das ist alles unglaublich bizarr, wirklich. Einfach ein großes Spiel.»
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