Fragen an Mosz und Staubgold
Beide Labels sind Künstler-Labels, womit ein besonders enger Kontakt zu bestimmten Szenen verbunden wird. Wie kam es zur Gründung der Labels staubgold und mosz?
Stefan Neméth [SN]: Sowohl Michaela Schwentner als auch ich waren Mitte der 1990er Jahre im weiteren Umfeld von elektronischer Musik tätig. Michaela hatte eine Veranstaltungsreihe («Jadegasse») in ihrem Loft, wo unter anderem ein Schwerpunkt auf Live-Konzerten lag. Ich war an der Gestaltung einer Konzertreihe in einem Wiener Club beteiligt und begann kurz danach mit der Arbeit bei der Band Radian. Nach einigen Projekten über Film-Loops und dem starken Interesse an der aufkeimenden abstrakten elektronischen Musik war es beinahe eine logische Konsequenz, eine Plattform, ein Label zu gründen. Mitgespielt hat hier sicher auch der Gedanke, dass es unserer Meinung nach zu viele Labels gab, die sich ausschließlich auf eine Strömung innerhalb eines Genres konzentrierten. Uns hat aber die Grenzzone zwischen analog/akustisch und digital interessiert – Künstler, die ungewöhnliche Wege aufzeigen, indem sie sich eben nicht an Genres und Sub-Genres orientieren, sondern einen stark individuellen Zugang zu Musik haben. Wir fanden, dass diese Sichtweise unterrepräsentiert war.
Markus Detmer [MD]: staubgold wurde von mir 1996 in Köln zunächst als Tonträger-versand für experimentelle und elektronische Musik gegründet. Die ersten Veröffentlichungen auf dem Label staubgold erschienen 1998. Sehr beeinflusst hat mich zu dieser Zeit die aufstrebende Elektronik(a)-Szene in Köln, rund um Labels wie Sonig, A-Musik oder Karaoke Kalk und Bands/Musiker wie Mouse On Mars, Schlammpeitziger, Marcus Schmickler etc. Quasi vor meiner Haustüre haben mir damals Protagonisten wie Georg Odijk (A-Musik) oder Frank Dommert (Sonig, Entenpfuhl) vorgemacht, dass es möglich ist, professionell «andere», «selten gehörte» Musik zu produzieren und zu verbreiten. Da gab es übrigens auch schon früh eine Wien-Köln-Mego-A-Musik-Achse.
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