Daniel Ender
Wolfgang Mitterer – «coloured noise»
Erste Bank Kompositionsauftrag 2005
Es ist in der neueren Musikgeschichte einigermaßen selten, dass jemand im gleichen Maße als Komponist wie als Improvisator reüssiert. Zu sehr haben sich seit den Zeiten Johann Sebastian Bachs, Ludwig van Beethovens oder Franz Liszts die musikalischen Erfindungsprozesse in den Bereichen Komposition und Improvisation auseinanderentwickelt, sind jenseits und diesseits dieser Grenze nicht nur verschiedene Stilebenen, sondern auch soziale Abgrenzungen entstanden, haben sich sowohl die künstlerischen Fähigkeiten als auch die technischen Fertigkeiten auf jeweils einem Gebiet zu Kosten des jeweils anderen ausdifferenziert.
Zwar sehen Partituren in der Neuen Musik immer wieder Freiräume für die Interpreten vor, die diese zuweilen auch improvisatorisch ausfüllen können; dass aber der Komponist selbst nicht nur über eine instrumentale Begabung verfügt, sondern auch Musik aus dem Augenblick heraus zu erfinden vermag, ist zu einem raren Fall geworden. Wolfgang Mitterer ist ein solcher Ausnahmekünstler, der die scheinbaren Gegenpole Improvisation und Komposition zu verbinden weiß, der nicht nur musikalische «Werke» auf dem Papier schafft, sondern ebenso – als Pianist, Organist und Elektroniker – in das Geschehen seiner Musik während ihrer Entstehung im wahrsten Sinne des Wortes eingreift.
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