Christian Höller
Der Medien-Entgrenzer
Über Tony Conrads vielseitiges Schaffen von 1960 bis heute
Als «social dropout» wurde er einmal bezeichnet. Als einer, der aus herkömmlichen Rollenmustern und der damit einhergehenden gesellschaftlichen wie kulturellen Feldeinteilung herausfällt. Der, vor allem was das künstlerische Spartendenken betrifft, keinen festen Stammplatz zu besitzen scheint und in seinem Changieren zwischen Musik, Film, Video, Performance und vielem mehr immer wieder überraschende Sprünge vollzieht. Dabei lassen sich in den vielfältigen Crossovers des «Dream-Minimalisten» Tony Conrad durchaus Kontinuitäten ausmachen – Kontinuitäten, die von seinen frühesten musikalischen Aktivitäten zu Beginn der 1960er Jahre über seine Film-, später dann Videoproduktion bis hin zur erneuten Fokussierung auf die Musik in einem erweiterten Performance-Rahmen ab Mitte der 1990er Jahre reichen. Ein «Dropout» ja – aber einer, der mit seinem Grenzgängertum niemals ein von Konflikten gereinigtes Außen in Aussicht stellte, sondern das Grenzwertige, «Liminale» eines bestimmten Feldes stets als dessen innersten medialen Kern zu inszenieren verstand. Als definierende Grenze, welche die Minimal Music ebenso durchzieht wie den strukturalen Film oder die Performance-orientierte, ja interventionistische Videopraxis. In all diesen Feldern hat Conrad an wichtigen historischen Wegmarken dazu beigetragen, sowohl die inneren Schranken des jeweiligen Mediums auszuloten als auch das Medium per se an dessen Grenzen stoßen zu lassen.
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