Daniel Ender
Thomas Heinisch – «Abseits – Aufbruch»
Erste Bank Kompositionsauftrag 1999
Erdig und rau erdröhnen die tiefen Schlaginstrumente, animalisches Gebrüll und archaischer Gesang, begleitet von rhythmischen Schlägen und sirrenden Blasgeräuschen, treten hinzu und steigern sich zu einem dichten Konglomerat von bewegten und stehenden Klängen. Dann wandelt sich das Geschehen zu einem flächigen Klangbild: Innerlich pulsierend, doch ohne erkennbares Ziel und ohne greifbare Entwicklungsrichtung, bleibt es in der Schwebe. Auf Verdichtung folgen Auflösung und Stillstand.
Dramatische Ausbrüche und der langsame Fluss der Zeit liegen in der Musik von Thomas Heinisch nahe beieinander. Ritualhafte Beschwörungen kommen neben lyrischen Inseln zu stehen; vitale Motorik mündet in elegische Abschweifungen, subtile Schattierungen begleiten schroffe Akzente.
Sein Abseits – Aufbruch. Fragmente nach Texten von Aischylos und Friedrich Nietzsche für zwölf Sänger, Saxofonquartett und vier Schlagzeuger (1999) war zunächst von einer klanglichen Überlegung ausgegangen. Inspiriert durch das Stück … à la recherche … für Klavier und Orchester (1995/96) von Gerd Kühr, in dem Multiphonics eine große Rolle spielen, wollte Thomas Heinisch solche instrumentenspezifische Mehrklänge mit einem Chor verbinden, also die Ebene des Vokalen mit den Klangschattierungen der Blasinstrumente kombinieren: «Es war für mich ein Schlüsselerlebnis, wie sich das Saxofon mit anderen Klängen vermischen kann.»
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