Eberhard Blum
Vom Leben der Klänge
Über Morton Feldman
Betrachten wir die zweite Hälfte des zu Ende gegangenen Jahrhunderts und fragen uns, wer die großen Komponisten dieser Epoche waren, muss unweigerlich der Name des Amerikaners Morton Feldman genannt werden.
Wer ist dieser Morton Feldman, und worin besteht seine außerordentliche künstlerische Leistung?
Geboren wurde er am 12. Januar 1926 in New York. Seine Eltern waren Anfang dieses Jahrhunderts als Kinder aus Russland nach Amerika gekommen. Sein Vater arbeitete zunächst in einer Kleiderfirma und machte sich später selbständig. Feldman wuchs in einer für die damalige Zeit typischen New Yorker jüdischen Familie auf.
Doch schon der Beginn seiner musikalischen Ausbildung ist bemerkenswert. Mit zwölf Jahren erhielt er Klavierunterricht bei Madame Vera Maurina Press, einer russischen Emigrantin, die unter anderem in Berlin bei Ferruccio Busoni studiert hatte. Diese Lehrerin führte den Jungen in die Geheimnisse des Klanges ein und lehrte ihn, die großen europäischen Traditionen des 19. Jahrhunderts zu verstehen.
Über diesen Unterricht sagte Feldman später: «Durch sie – und nur durch sie, glaube ich – geschah es, dass ich infolge ihrer mangelnden Strenge zwar mit bebender Musikalität erfüllt wurde, aber kein festes musikalisches Wissen erlangte.» Als Feldman 1944 ein Studium beginnen sollte, sah er sich in New York eine Universität von innen an und stellte fest, dass das nichts für ihn sei. Er zog es vor, in der kleinen Firma seines Vaters zu arbeiten und so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zu dieser Zeit lernte er den Berliner Emigranten Stefan Wolpe kennen, von dessen vitaler Persönlichkeit er beeindruckt war und bei dem er privaten Unterricht nahm.
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