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Jani Christou
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JANI CHRISTOU (1926–1970)

Jani Christou bei Proben in den späten 1960er Jahren © Jani Christou Archive Jani Christou bei Proben in den späten 1960er Jahren © Jani Christou Archive

 

Berno Odo Polzer
Aktuelles aus der Vergangenheit
Zur vergessenen Musikkonzeption des Jani Christou

Wäre Jani Christou nicht 1970 bei einem Autounfall ums Leben gekommen, er wäre heute [2003] 77 Jahre alt: ein Komponist der Generation Cages, Stockhausens oder Xenakis’, die nach dem Zweiten Weltkrieg als junge Avantgarde auszog, um den Begriff dessen, was Musik ist, neu zu definieren und bis an seine Grenzen auszuweiten. Diese Gründergeneration der musikalischen Avantgarde steht bis heute monolithisch für das Zeitgenössischen in der Musik: für ein neues künstlerisches Selbstverständnis, für die Neudefinition musikalischer Parameter, für die Erfindung neuer kompositorischer Techniken, für die Entwicklung neuer elektroakustischer Medien – sie steht, kurz gesagt, für so viel Neues, daß der von ihr begonnene Weg seither als groß geschriebene Neue Musik bezeichnet wird. In historischer Perspektive mag eine der markantesten Besonderheiten dieser Musik sein, daß sie die vormals überschaubare Welt der westlichen Kunstmusik zu einem ganzen Sonnensystem singulärer musikalischer Planeten ausgeweitet hat, indem ihre Protagonisten sich von allgemein verbindlichen Regeln befreit, Theorie und Praxis ihres Komponierens selbst definiert haben. Auch Jani Christou gehört zu diesen eigengesetzlichen Neuerern; von den erfolgreichen Kollegen seiner Generation unterscheidet ihn indes eines: Kaum jemand kennt ihn. Sein früher Tod hinterließ einen kompositorischen Torso, einen künstlerischen Anfang, dessen fehlende Fortführung direkt ins Vergessen führte. Jani Christou ist zum Gegenstand der Archäologie geworden, während andere Teil einer lebendigen Aufführungspraxis geblieben sind. Archäologische Anstrengungen um Jani Christou fördern jedoch ein bemerkenswertes musikalisches Ideengebilde zutage, ein Leben im Spannungsfeld gegensätzlicher Kulturen und eine Musik von großer Intensität und Kraft.

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Jani Christou

Berno Odo Polzer: Aktuelles aus der Vergangenheit. Zur vergessenen Musikkonzeption des Jani Christou, in: Katalog Wien Modern 2003, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2003, S. 19-25. (pdf, 87 kb)

Jani Christou: A Music of Confrontation, in: Katalog Wien Modern 2003, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2003, S. 27-29. (pdf, 74 kb)