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Georges Aperghis
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Wien Modern Galerie

GEORGES APERGHIS (*1945)

Peter Szendy
Wie viele Ohren?
(und andere Aperghis-Fragmente)

1.
(verblüfft)

Georges Aperghis erzählte mir einmal diese unglaubliche Geschichte, von der ich noch immer nicht weiß, wie man sie verstehen soll: «Beim Komponieren muß man sich ständig Ohren überstülpen, die einem nicht gehören.» Man muß also mehr als ein Paar Ohren haben, um das, was man schreibt, zu hören und immer wieder neu zu hören. Aus jeweils anderer Perspektive und bis ins letzte Detail.
Sicherlich, ich verstehe schon. Einfach gesprochen heißt das: Man muß ein kritisches Gehör haben; die Noten, die man soeben auf das Papier geworfen hat, drehen und wenden, immer wieder durcheinander mischen – sie so hören, als wäre man ein anderer.
Aber Georges geht weiter: Diese Ohren, diese anderen Ohren, hat man nicht; man muß sie jedes Mal erfinden. Sie schaffen, sie bauen wie ein nie gehörtes Instrument, um das nie Gehörte zu hören. Oder besser: um unerhört zu hören (so wie man sagen würde: gut oder schlecht hören).
Und er fügt hinzu: das Erfinden dieser anderen Ohren geschieht in uns ohne uns. Schritt für Schritt wird daran gearbeitet.
Komponieren ist für ihn vielleicht vor allem das Produzieren von Ohren. Vielfältige, unzählige. Und noch gesichtslose.
(Ich stelle mir vor, wie er, der Listen und Aufzählungen so sehr liebt, sich einen Spaß daraus macht, das Programm zu erfüllen, das Marcel Duchamp einst in seiner Weißen Schachtel umrissen hat:
«Was man mit einem Ohr verstehen muß.
— — — mit dem rechten Ohr — — —
— — — mit dem linken Ohr — — —
… Man könnte eine ganze Reihe von Dingen finden, die mit nur einem Ohr zu verstehen [oder zu hören] sind.»
Ohren wegnehmen oder hinzufügen – damit wird jedes Mal das Hören erfunden und immer wieder neu erfunden.)

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Wien Modern Galerie
Georges Aperghis

Peter Szendy: Wie viele Ohren? (und andere Aperghis-Fragmente), in: Katalog Wien Modern 2001, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2001, S. 143-147. (pdf, 74 kb)

Georges Aperghis: «Machinations», in: Katalog Wien Modern 2001, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2001, S. 151. (pdf, 38 kb)

Pierre-Albert Castenet, Notiz zu: «Récitations» von Georges Aperghis, in: Katalog Wien Modern 2001, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2001, S. 149. 
Nathalie Singer im Gespräch mit Georges Aperghis , in: Katalog Wien Modern 2001, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2001, S. 149. (pdf, 56 kb)

Thomas Schäfer: Poesie des Lauts, der Geste, des Materials. Verstreute Gedanken anlässlich von Georges Aperghis’ «Machinations», in: Katalog Wien Modern 2001, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2001, S. 152-155. (pdf, 66 kb)

Werkstattgespräch «Machinations». Nathalie Singer im Gespräch mit Georges Aperghis, in: Katalog Wien Modern 2001, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2001, S. 156 f. (pdf, 61 kb)

Peter Missotten und Kurt d’Haeseleer: Ein Labyrinth der Beobachtung. Zu «Paysage sous surveillance» von Georges Aperghis, in: Katalog Wien Modern 2001, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2001, S. 129 f. (pdf, 53 kb)

Sylvia Systermans: Rotkäppchen – wer ist das? Zu Georges Aperghis’ Musiktheater für Kinder, in: Katalog Wien Modern 2004, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2004, S. 173 f. (pdf, 57 kb)