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Fausto Romitelli
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FAUSTO ROMITELLI (1963–2004)

Fausto Romitelli © Mirjam Devriendt Fausto Romitelli © Mirjam Devriendt

 

Eric Denut
Fausto Romitelli – ein kurzer Index

«Es tut weh, so leiden zu müssen (so irregeführt zu werden).»
Ausspruch aus La tendre ennemie von Max Ophuls
(Zitiert nach: Luc Bondy, Das Fest des Augenblicks, Actes Sud, 1996)

Die Kunstform («high art» – «low art»)
Die Kompositionen von Fausto Romitelli haben in Frankreich, einem Land, in dem es – abgesehen von den musikalischen Experimenten des Ensembles L’Itinéraire in den 70er Jahren – traditionell unüblich ist, die Stile der «high art» («Kunstmusik») und «low art» («Pop-Musik» oder in einer «offizielleren» Bezeichnung «Musik der Gegenwart») zu mischen, ohne wegen mangelnder Originalität kritisiert zu werden oder sich heftigen Vorwürfen wegen Respektlosigkeit der Kunst gegenüber auszusetzen, durch ihren freien und ungezwungenen Zugang zu verschiedenen Musiktraditionen großen Anklang gefunden. In einer Epoche, die wir in einer früheren Publikation mit «Klassizismus der Innovation» charakterisiert haben, da sie vor allem von den großen Spektraltechnik- oder postseriellen Werken der 80er Jahre inspiriert ist, ohne einen neuerlichen «Stilbruch» zu erzeugen, eröffnet Romitellis Ansatz zweifellos zahlreiche neue Perspektiven für die Komposition zeitgenössischer Musik: Man könnte seine Methode als «selektiv empirisch» im Sinne einer Poesie bezeichnen, die unter anderem auch für Formen der «low art» offen ist, nämlich für deren Impulsivität und Ursprünglichkeit im klanglichen, ästhetischen und gesellschaftlichen Sinn. Die Zukunft wird es zeigen: Romitelli ist der reinste Vertreter der «Subkultur» in der intellektuellen, zeitgenössischen Musik, in der sich eine andere Subkultur, nämlich jene der angelsächsischen Popmusik, von den 60er Jahren bis heute, wiederfindet. Fausto Romitelli liebt diesen Stil, der Spontaneität, Lebendigkeit, Neugier und das Verführerische im Menschen ausdrückt, und streift, übernimmt, absorbiert und verarbeitet diese Musik aber auch aus Notwendigkeit – als Komponist ist er unzufrieden mit den düsteren Klangfarben, den übertrieben komplizierten Formen und der zu voluminösen Schreibweise der modernen Kunstmusik seiner Zeit. Sein Musikverständnis, das auf besonders aufmerksamem Zuhören beruht, bestätigt, dass die Verbindung zwischen Stockhausen1 und Grisey einerseits und Sonic Youth und Aphex Twin andererseits weder auf einer Weiterentwicklung noch auf parallel entstandenen Werken beruht, sondern gemeinsame Wurzeln hat. Diese könnten sich in einer «physischen» Sensibilität in Bezug auf Klang und der Ablehnung musikalischer Intellektualität zugunsten einer körperlichen, unmittelbaren Klangempfindung manifestieren.2 Die Fülle von Romitellis Kunstformen entsteht durch die Spannung zwischen der Gestaltung eines Vortrags und dessen medialer Niederschrift, und der Freude, den Klang direkt daraus abzuleiten, wie sie schon bei seinen berühmten, bereits erwähnten Vorgängern spürbar war. Dadurch erhält zum Beispiel die Komposition EnTrance3 ihre fast schon noble Überschwänglichkeit.

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Fausto Romitelli

Eric Denut: Fausto Romitelli – ein kurzer Index, in: Katalog Wien Modern 2004, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2004, S. 43-46. (pdf, 90 kb)

Fausto Romitelli: Im Hochhofen einer rituellen Soundmesse. Zu «Index of Metals», in: Katalog Wien Modern 2004, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2004, S. 239. (pdf, 50 kb)

Jean-Luc Plouvier: Fausto Romitellis Requiem. Anmerkungen zu «An Index of Metals», in: Katalog Wien Modern 2004, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2004, S. 240 f. (pdf, 50 kb)

Roberta Milanaccio: Lost in Translation. Zu Fausto Romitellis «Dead City Radio» für Orchester, in: Katalog Wien Modern 2004, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2004, S. 164. (pdf, 57 kb)

Thomas Schäfer: Fausto Romitelli – ein kurzer Nachruf, in: Katalog Wien Modern 2004, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2004, S. 237. (pdf, 53 kb)

Walter Weidringer: Obsessiv, repetitiv, visionär. Zu Fausto Romitellis grenzgängerischer Poetik zwischen «Musique spectrale» und «Dirty Sounds» der Subkultur, in: Katalog Wien Modern 2004, hersg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2004, S. 235 f. (pdf, 61 kb)