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Conlon Nancarrow
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Wien Modern Galerie

CONLON NANCARROW (1912–1997)

Jürgen Hocker
My Soul Is In The Machine
Conlon Nancarrow, ein musikalischer Einsiedler in Mexiko

«… for me it’s the best music of any today living composer.»
György Ligeti

Atemberaubende Geschwindigkeiten, furiose chromatische Glissandi, monumentale Akkordgebilde unter Ausnutzung der gesamten Klaviatur, komplizierte Rhythmen und vielschichtige, zum Teil irrationale Metren und Geschwindigkeiten, hingehauchte Klangwölkchen oder orkanartige Tonkaskaden – diese bislang unge(er)hörten Möglichkeiten eröffnet das zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelte Selbstspielklavier (Player Piano) einem experimentierfreudigen Komponisten. Jahrzehnte lang völlig unbeachtet von der etablierten Musikwelt schuf der mexikanisch-amerikanische Komponist Conlon Nancarrow ein grandioses Werk für Player Piano, das heute als das wohltemperierte Klavier des zwanzigsten Jahrhunderts betrachtet wird.

Dabei entfaltet sich Nancarrows Größe und Bedeutung in seiner Beschränkung: der Beschränkung auf ein Instrument – das Player Piano –, der Beschränkung auf eine musikalische Variable – die Zeit –, sowie der Beschränkung auf kurze Kompositionen – die Gesamtdauer seiner Studies for Player Piano umfaßt nicht einmal sechs Stunden (dies entspricht der Dauer des zweiten Streichquartetts von Morton Feldman). Und dennoch umspannen Nancarrows Studies einen musikalischen Kosmos. Die Zeit erlangt bei ihm eine neue musikalische Dimension. Die Geschwindigkeitsverhältnisse unterschiedlicher Stimmen sind quasi der Natur abgelauscht: die Schwingungsverhältnisse von konsonanten und dissonanten Klängen liefern die Grundlage für temporale Konsonanzen und temporale Dissonanzen. Neben die «melodische» Polyphonie Johann Sebastian Bachs tritt die «temporale» Polyphonie Nancarrows.

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Conlon Nancarrow

Jürgen Hocker: My Soul Is In The Machine. Conlon Nancarrow, ein musikalischer Einsiedler in Mexiko, in: Katalog Wien Modern 2003, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2003, S. 89-92. (pdf, 76 kb)

Jürgen Hocker: Nancarrow und Ligeti – eine musikalische Verwandtschaft, in: Katalog Wien Modern 2003, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2003, S. 93-95. (pdf, 61 kb)

Markus Gasser: Von der Not, nicht Thomas Bernhard zu sein. Zu William Gaddis’ Jahrhundertepilog «Das mechanische Klavier», in: Katalog Wien Modern 2003, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2003, S. 103. (pdf, 53 kb)