Weitere Texte zu
Clemens Gadenstätter
finden Sie in der
Wien Modern Galerie

CLEMENS GADENSTÄTTER (*1966)

Daniel Ender
Clemens Gadenstätter – «Comic Sense»
Erste Bank Kompositionsauftrag 2003

Semantical Investigations ist nicht nur der Titel eines konkreten kompositorischen Projektes von Clemens Gadenstätter, sondern könnte als programmatisches Generalmotto über seiner gesamten Arbeit stehen: Untersuchungen über musikalische Bedeutungsgehalte, die Beobachtung von deren Verfestigungen und ihr Aufbrechen – so lässt sich das Feld abstecken, aus dem der Komponist sein Material schöpft, entwickelt und schließlich verwandelt zurücklässt. Im Akt des Hörens liegt dabei gleichermaßen Ausgangspunkt wie Ziel der kompositorischen Interaktion, wenn die Bedingungen, unter denen man zu hören gewohnt ist, reflektiert und die Spuren, die dieses Hören in musikalischen oder akustischen Gebilden hinterlassen hat, verfolgt werden sollen. Jeder kompositorische Eingriff bezieht sich gleichermaßen auf kulturell Vorgebildetes und dabei – durch welche Tradition auch immer – Verformtes, wie er auf dessen Veränderung abzielt, um durch die Wahrnehmung der Wahrnehmung zu einer neuen Qualität dieser Wahrnehmung zu gelangen.

Seinen prinzipiellen kompositorischen Ansatz, durchaus eigenständig hinsichtlich seines theoretischen Fundaments, umreißt Clemens Gadenstätter so: «Hören ist in meinen Arbeiten als kollektive, erlernte Tätigkeit definiert. Kunst sehe ich demgegenüber als Tätigkeit, die sich die Freiheit herausnimmt, Unterscheidungen zu treffen. Alles in meiner Musik ist aus Beobachtbarem abgeleitet, bezieht sich auf einen Status Quo und sucht die Möglichkeit zur Transformation.» Ist also die genaue Beobachtung dessen, was man gemeinhin hört, die Basis im Betätigungsfeld des Komponisten, so liegt seinem eigentlichen Bestreben der Glaube an eine Möglichkeit zur Veränderung dieser scheinbar festgefahrenen Normalität zu Grunde. Sein Ziel ist es, durch die Bezugnahme auf bekannte Hörsituationen etwas anderes durchscheinen zu lassen, um «beim Hören zu beobachten, was man hört, damit man anders hört». Auf diese Weise soll man, wie bereits angedeutet, sozusagen zu einer Wahrnehmung zweiten Grades gelangen und damit eine Transformation der «eigentlichen» Wahrnehmung erreichen.

mehr ...

Wien Modern Galerie
Clemens Gadenstätter

Textauszug aus: Daniel Ender: Der Wert des Schöpferischen. Der Erste Bank Kompositionsauftrag 1989–2007. 18 Porträtskizzen und ein Essay. Sonderzahl Verlag 2007. © Daniel Ender, alle Rechte vorbehalten. (pdf, 77 kb)

Lothar Knessl: Die Frage nach dem Komischen. Aus einem Gespräch mit Clemens Gadenstätter, «comic sense» eingeschlossen, in: Katalog Wien Modern 2003, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2003, S. 147-149. (pdf, 94 kb)

Clemens Gadenstätter: «Semantical Investigations»: Vom akustischen Signal zum musikalischen Ereignis. Skizzen einer kompositorischen Poetik. Erstveröffentlichung auf dieser Website. (pdf, 108 kb)

 

PLAYLIST

Clemens Gadenstaetter: akkor(d/t)anz (2000)
Clemens Gadenstaetter: Songbook #01 (2001/02)

MEDIA PLAYER

NOW PLAYING

Clemens Gadenstaetter: akkor(d/t)anz (2000)

PUBLISHER