Daniel Ender
Clemens Gadenstätter – «Comic Sense»
Erste Bank Kompositionsauftrag 2003
Semantical Investigations ist nicht nur der Titel eines konkreten kompositorischen Projektes von Clemens Gadenstätter, sondern könnte als programmatisches Generalmotto über seiner gesamten Arbeit stehen: Untersuchungen über musikalische Bedeutungsgehalte, die Beobachtung von deren Verfestigungen und ihr Aufbrechen – so lässt sich das Feld abstecken, aus dem der Komponist sein Material schöpft, entwickelt und schließlich verwandelt zurücklässt. Im Akt des Hörens liegt dabei gleichermaßen Ausgangspunkt wie Ziel der kompositorischen Interaktion, wenn die Bedingungen, unter denen man zu hören gewohnt ist, reflektiert und die Spuren, die dieses Hören in musikalischen oder akustischen Gebilden hinterlassen hat, verfolgt werden sollen. Jeder kompositorische Eingriff bezieht sich gleichermaßen auf kulturell Vorgebildetes und dabei – durch welche Tradition auch immer – Verformtes, wie er auf dessen Veränderung abzielt, um durch die Wahrnehmung der Wahrnehmung zu einer neuen Qualität dieser Wahrnehmung zu gelangen.
Seinen prinzipiellen kompositorischen Ansatz, durchaus eigenständig hinsichtlich seines theoretischen Fundaments, umreißt Clemens Gadenstätter so: «Hören ist in meinen Arbeiten als kollektive, erlernte Tätigkeit definiert. Kunst sehe ich demgegenüber als Tätigkeit, die sich die Freiheit herausnimmt, Unterscheidungen zu treffen. Alles in meiner Musik ist aus Beobachtbarem abgeleitet, bezieht sich auf einen Status Quo und sucht die Möglichkeit zur Transformation.» Ist also die genaue Beobachtung dessen, was man gemeinhin hört, die Basis im Betätigungsfeld des Komponisten, so liegt seinem eigentlichen Bestreben der Glaube an eine Möglichkeit zur Veränderung dieser scheinbar festgefahrenen Normalität zu Grunde. Sein Ziel ist es, durch die Bezugnahme auf bekannte Hörsituationen etwas anderes durchscheinen zu lassen, um «beim Hören zu beobachten, was man hört, damit man anders hört». Auf diese Weise soll man, wie bereits angedeutet, sozusagen zu einer Wahrnehmung zweiten Grades gelangen und damit eine Transformation der «eigentlichen» Wahrnehmung erreichen.
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