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CHRISTIAN OFENBAUER

Daniel Ender
Christian Ofenbauer – «Zwei Intermezzi aus MEDEA» (Bild 2 und 4 der Oper)
Erste Bank Kompositionsauftrag 1991

Das Bruchstückhafte ist vor allem in den frühen Kompositionen von Christian Ofenbauer gleichermaßen Thema wie Charakteristikum. Sieben meist aus dem Umkreis verschiedener anderer Werke entnommene BruchStücke (1985-2000) bringen dieses Faktum, das sich keineswegs nur auf sie selbst beschränkt, auf den Begriff. Das Wortspiel mit dem groß geschriebenen «Stück», das auch als Synonym für «Komposition», «Werk» verstanden werden kann, weist währenddessen bereits auf eine wesentliche Doppeldeutigkeit hin: Nicht allein das Fragmentarische ist hier in den Blick genommen, sondern auch und vor allem der Zugriff auf dieses, der nach dem gewaltsamen Loslösen eines Vorhandenen aus dem ursprünglichen Zusammenhang auch wieder ein konstruktives Element beinhaltet.

Ähnliches gilt gerade auch für eine andere Werkgruppe, in der sich das Bruchstückhafte noch weiter zuzuspitzen scheint: für den frühen Zyklus Katalog 1-3 für Klavier (1984-88), wo eine immer größer werdende Anzahl von äußerst komprimierten Miniaturen als austauschbare Bausteine zur Verfügung stehen, aus denen der Interpret eine Auswahl treffen und die Reihenfolge der gewählten Bausteine festlegen kann. So ist Katalog 3 (1987/88) «ein Materialkörper, bestehend aus 300 mobilen Elementen» mit variabler Dauer und Besetzung: Der Komponist sieht nicht nur die Wahl zwischen Fassungen für ein bis zu zwanzig Klaviere vor – die Uraufführung fand mit sechs Klavieren statt –, sondern gibt auch die Möglichkeit, elektroakustische Mittel einzubeziehen, die eine oder mehrere der zwanzig Stimmen der dichtesten vorgesehenen Besetzung übernehmen können.

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Textauszug aus: Daniel Ender: Der Wert des Schöpferischen. Der Erste Bank Kompositionsauftrag 1989–2007. 18 Porträtskizzen und ein Essay. Sonderzahl Verlag 2007. © Daniel Ender, alle Rechte vorbehalten. (pdf, 78 kb)